Hülsenfrüchte, ganz einfach.
Hülsenfrüchte und Getreide sind gesund, günstig und regional, aber nur wenige wissen, wie man sie zubereitet. Zwei Küchengeräte machen es einfach.
- Projektart
- Produktdesign · Küchengeräte
- Kontext
- Abschlussarbeit, Industriedesign · Universidad Nacional del Litoral · 2018 – 2019 (14 Monate)
- Team
- Carla Beherens & Paula A. Velazquez (alle Phasen gemeinsam erarbeitet)
- Methoden
- Feldforschung · Empathy Map · Markt- und Produktanalyse · SWOT · Product Development Strategy (PDS) · 3D-gedruckter Prototyp
- 2 Geräte, 1 Produktfamilie
- Ausgelegt für 30.000 Stück
01Überblick
Unsere Abschlussarbeit untersuchte, wie Hülsenfrüchte und Getreide in Argentinien gegessen werden und wie Design helfen kann, mehr davon zu essen. Das Ergebnis ist eine Familie aus zwei Küchengeräten, die traditionelle Techniken vereinfachen, durch die diese Lebensmittel bekömmlicher und nährstoffreicher werden: Aktivierung, Keimung und Microgreens.
Drei Phasen
- 1ResearchZentrale Begriffe, Nutzer:innen, Kontext und Markt
- 2Kreative PhaseIdeenfindung und Konzept
- 3DetailentwurfNutzungsablauf, Funktionsweise und Detaillierung
02Kontext & Problem
Wer sich besser ernähren möchte, fühlt sich bei Hülsenfrüchten und Getreide oft verloren: Man kennt weder die Techniken noch die Zubereitungszeiten, Rezepte oder Nährwerte.
Hindernisse, die wir gefunden haben
- PsychologischHochverarbeitete Lebensmittel dominieren die Werbung. Kinder in Argentinien sehen jede Woche mehr als 60 Werbespots für ungesundes Essen.
- Sozial und kulturellHülsenfrüchte werden mit langen Kochzeiten, kalten Tagen und „Essen für Arme“ verbunden. Supermärkte bieten kaum Auswahl.
- ErnährungZeit ist das größte Hindernis, und traditionelle Techniken, die den Nährwert verbessern, sind unbekannt.
- LebensstilEine urbane Gesellschaft mit immer weniger Zeit zum Kochen.
Quellen: FAO (2016), argentinisches Gesundheitsministerium (2017), Feldforschung (2018).
03Research
Immersive Feldforschung
Um unsere Nutzer:innen zu verstehen, sind wir dorthin gegangen, wo sie sind: zu Food-Events, Vorträgen und Workshops. Wir haben Interviews und Umfragen gemacht und die neuen Essgewohnheiten selbst ausprobiert.
Markt- und Produktanalyse
In Argentinien gab es keine Produkte, die mehrere dieser Prozesse verbanden, nur frühe Prototypen. Wir haben internationale Keimgeräte nach der Methode „La lectura del objeto“ von Aquiles Gay analysiert: Funktion, Form, Struktur, Konstruktion und Nutzung.

SWOT
Die größte Chance: Kaum ein Produkt bot eine integrierte Lösung, während pflanzliche Ernährung, das Interesse an Microgreens und Begriffe wie „natürlich“ und „bio“ schnell an Bedeutung gewannen.

04Nutzer:innen & Nutzungskontext

Interessiert sich dafür, wie Ernährung die Gesundheit beeinflusst, sorgt sich um den Einfluss der Lebensmittelindustrie, findet Rezepte auf Social Media und holt sich Rat bei Ernährungsberater:innen. Möchte sich ausgewogener ernähren und unverarbeitete Lebensmittel ergänzen.

Menschen mit pflanzlicher Ernährung (5 % der Bevölkerung). Kennen Aktivierung, Keimung und Microgreens bereits. Anspruchsvolle Konsument:innen, die ihre Ernährung abwechslungsreicher gestalten wollen.
Von Misstrauen zu Vertrauen
Sie hinterfragen, recherchieren und suchen Antworten.
Sie teilen Informationen, treffen Gleichgesinnte und erzählen von ihren Erfahrungen.
Die Küche
Unsere Nutzer:innen leben allein oder mit ein bis zwei Personen in kleinen Wohnungen, in denen Küche, Ess- und Wohnbereich ein Raum sind. Die Küche hat zwei Momente: einen aufgeräumten und einen zum Kochen, wenn Geräte herauskommen und der Platz knapp wird. Ihre Verben sind aufhängen, verstauen und aufbewahren. Das hat die Form unserer Produkte geprägt: kompakt, zylindrisch und mit einer Hand leicht zu bewegen.

05Konzept
Zwei Geräte, eine Produktfamilie. In beiden steht die Hülsenfrucht oder das Getreide im Mittelpunkt, und Wasser ist der Schlüssel zum Prozess. Durch transparente Teile sieht man, was das Wasser bewirkt.
Produkt A · Aktivierung
Die Lebensmittel werden eingeweicht, damit sich Verunreinigungen lösen, und dann mit dem eingebauten Sieb 2–3 Mal gefiltert und gespült. Wasser unter Druck reinigt und hydratisiert.



Produkt B · Keimung und Microgreens
Macht aus Hülsenfrüchten und Getreide verzehrfertige Lebensmittel, ganz ohne Kochen. Beim Keimen hält ein geschlossener, lichtdichter Behälter Feuchtigkeit und Temperatur während eines 3-Tage-Zyklus konstant. Bei Microgreens wachsen die Samen 6 Tage lang in einem gelochten Topf mit automatischer Bewässerung. Das Wasser fällt wie Regen, und ein LED-Licht geht an, wenn die Pflanzen es brauchen.




06Produktentwicklung
Aufbau
Beide Produkte haben denselben Aufbau: einen Sockel und einen Deckel, die das Produkt schließen, einen Behälter für die Lebensmittel (Sieb oder Topf) und ein transparentes Teil, durch das man den Prozess beobachtet (Glas oder Tür).
Materialien und Produktion
Zuerst wollten wir hochwertige regionale Materialien wie Holz und Keramik. Bei einer Produktion von 30.000 Stück waren sie für eine zylindrische Form aber zu teuer und in der Verarbeitung zu verschwenderisch. Wir haben die Produkte in Spritzguss-Kunststoff umgesetzt, mit wenigen Teilen und nur zwei Materialien (LDPE und PP) und einer Holzoptik an Sockel und Deckel. Biokunststoff wäre der ideale nächste Schritt.
Farbe
Eine reduzierte Palette, damit die vielen Farben der Hülsenfrüchte und Getreide zur Geltung kommen, abgeleitet von den neutralen Tönen, die wir in Küchen gefunden haben: Weiß mit hellem Holz und Schwarz mit dunklem Holz.
07Prototyp & Reflexion
Prototyp
Wir haben einen 3D-gedruckten Prototyp gebaut, um Maße, Ergonomie und das Zusammenspiel der Teile zu prüfen. Er hatte keinen Motor, getestet wurden also Form und Funktionen, nicht die automatische Bewässerung.
Was ich gelernt habe
Wir sind von einem breiten Thema ausgegangen, Mangelernährung und ihren Folgen für die Gesundheit, und haben die eigentliche Designchance durch Research gefunden. Das Projekt hat mich gelehrt, Ideale und Produktionsrealität abzuwägen, etwa auf hochwertige Materialien zu verzichten, damit das Produkt umsetzbar wird. Und es hat mir gezeigt, dass ein Produkt allein nicht reicht: Die Nutzer:innen brauchten auch Orientierung. Deshalb war eine App für uns immer Teil der Familie.